Nehmen Sie teil an der Diskussion über die zentralen Schlussfolgerungen, die gezogen werden können aus den Forschungsfeldern Bildung, Lernstrategien, Lernprobleme, Legasthenie, ADHS, Autismus und mehr.

 

Durch seine lange Erfahrung in diesen Feldern berichtet und analysiert Ioannis Tzivanakis relevante Forschungsneuigkeiten und ihre Folgen. Abonnieren Sie seinen freien Newsletter und bekommen Sie jede neue Ausgabe seiner Einsichten aus der Forschung.


 

Legasthenie, sofern sie als Problem betrachtet wird, was zu überwinden gilt, und nicht nur als Indiz für eine unterschiedliche Wahrnehmungs- und Denkweise, kann einerseits dann behandelt werden, sobald sie untrüglicherweise vorliegt, andererseits wäre für alle Beteiligten und Betroffenen das Wünschenswerteste, dass Legasthenie so früh wie möglich in ihrer Entstehung erkannt, abgefangen und idealerweise aufgelöst wird.

 

Sicherlich ist das Vorteilhafteste für alle, dass Legasthenie gar nicht entsteht, sondern sowohl ihr als auch Lernproblemen allgemein jegliche Entstehungsvoraussetzungen präventiv entzogen werden.

 

 

Persönlich bin ich der empirisch bestätigten Überzeugung, dass Legasthenie nicht entstehen muss, wenn Lesenlernen in seiner Komplexität und Natürlichkeit durchdrungen wird und Schüler die individuell fruchtbare Leselernmethode nutzen. Nichtdestotrotz, solange solches Lernen und solche lückenlose Prävention noch nicht überall angekommen sind, ist das Nächstbeste, Legastheniebehandlung so früh wie möglich, d.h. sobald sie sich irgendwie zeigt, anzugehen.

 

Forscher von drei Universitäten (University of California, Davis and Yale University) stellten anhand der Ergebnisse einer Studie fest, dass es sehr wohl möglich zu sein scheint, schon in der ersten Klasse zu intervenieren, damit eine künftig mögliche Lücke in Leistungsunterschieden geschlossen werden kann.

 

In einer Lamgzeitstudie fürs Lesen von der ersten bis zur zwölften Klasse hatten untersuchte legasthenische Leser – verglichen mit üblichen Lesern – schon in der ersten Klasse niedrigere Leseleistung. Damit kann die Schlussfolgerung gezogen werden, dass Legasthenie nicht (nur) auf Unterschiede zurückzuführen ist, die mit der Zeit wachsen und sich ausweiten, sondern dass solche Unterschiede schon im Alter der ersten Klasse vorliegen.

 

"Wenn die anhaltende Leistungslücke zwischen Legasthenikern und typischen Lesern eingegrenzt oder sogar geschlossen werden sollte, müssen Lese-Interventionen frühzeitig umgesetzt werden, während also die Kinder noch das Fundament des Leseerwerbs entwickeln", sagte Emilio Ferrer, ein UC Davis Professor für Psychologie. Er ist Hauptautor des im Journal of Pediatrics veröffentlichten Artikels (November 2015).

 

 

In der Frage, ob Medikamente zur ADHS-Behandlung den Schlaf der Betroffenen beeinträchtigen, haben Forscher bisher unterschiedliche Einflüsse angenommen. Manche Forscher fanden, dass solche Substanzen auf den Schlaf störend einwirken können, insbesondere, wenn sie in einer späteren Tageszeit genommen werden. Andere wiederum behaupten, dass diese Medikamente die Schlaffähigkeit verbessern.

 

Aufgrund solcher unterschiedlichen Ergebnisse wurde von der Universität von Nebraska-Lincoln eine Meta-Analyse durchgeführt. Für Timothy Nelson, der an der Studie beteiligt war, ist eine solche Meta-Analyse sehr nutzlich. Im Wortlaut: „Beim Zusammenführen und Zusammenfassen vergangener Forschung auf eine gründliche und statistische Weise können wir die Hauptergebnisse aller relevanter Studien identifizieren. Dies ist also eine Studien-Studie.“

 

 

Die eingehende Untersuchung wurde anhand objektiver Kriterien durchgeführt und nicht beeinflusst durch Berichte von Eltern. Es wurden also Ergebnisse berücksichtigt aus klinischen Schlaf-Studien und mit Hilfe von Armband-Kontrolgeräten. Die Ergebnisse zeigten, dass sowohl Ritalin als auch Amphetamine wie Adderal Schlafprobleme verursachen. Das Fazit der Forscher aus Nebraska (veröffentlicht am 23. November 2015 im Journal Pediatrics) für Mediziner, die alle Pros und Kontras solcher Stimulanzien berücksichtigen wollen, lautet: „Die Möglichkeit, den Schlaf zu stören, sollte ein Teil der Kosten-Nutzen-Analyse solcher Stimulanzien sein.“

 

Gut zu wissen, da guter Schlaf so unentbehrlich ist; zumal sich in dem Erleben von jedem von uns zeigt, dass vor aller Einnahme von Medikamenten in ADHS-Fällen, aber auch im allgemeinen, also unabhängig von ADHS, schlechter Schlaf oder wenig Schlaf zu verstärkter Müdigkeit und Reizbarheit führt. Beides starke Ursachen für Vieles, doch im vorliegenden Kontext vor allem für eine schwächere oder beweglichere Aufmerksamkeit.